Referendariat

Das nicht nur Lehrer und Juristen ein Referendariat und ein Zweites Staatsexamen ablegen ist oftmals nicht bekannt. Ein Forstreferendariat hat es in sich.

Das Referendariat ist ein Vorbereitungsdienst (eine Ausbildungszeit) für Beamtenlaufbahnen der Laufbahngruppe des höheren Dienstes in Deutschland (GebietskörperschaftenKörperschaften und Stiftungen des öffentlichen Rechts) oder sonstigen Trägern der öffentlichen Verwaltung, soweit ihnen die Dienstherrnfähigkeit für Beamte durch Gesetz verliehen worden ist. Das Referendariat dauert in der Regel zwei Jahre und soll praktische Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln, die auf dem Hochschulstudium aufbauen.

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Die Befähigung für die Laufbahn des höheren Forstdienstes wird durch die erfolgreiche Ableistung des Vorbereitungsdienstes und das Bestehen der Großen Forstlichen Staatsprüfung erworben.

Ziel des Vorbereitungsdienstes
(1) Auf der Grundlage des während des Studiums der Forstwissenschaften erworbenen Wissens sollen Forstbedienstete ausgebildet werden, die nach ihrer Persönlichkeit sowie nach ihren allgemeinen und fachlichen Kenntnissen und Fähigkeiten geeignet sind, die Aufgaben des höheren Forstdienstes wahrzunehmen. Insbesondere sollen die Verantwortungs- und Führungsbereitschaft gestärkt und Grundsätze der Menschenführung vermittelt werden.
(2) Neben der fachlichen Ausbildung soll das Verständnis für soziale, rechtliche, wirtschaftliche, staats- und umweltpolitische sowie kulturelle Fragen gefördert werden.

Thüringer Ausbildungs- und Prüfungsordnung
für den höheren Dienst in der Forstverwaltung
(ThürAPOhFD)
Vom 13. Januar 1995

Laufbahnentscheidung mit Beginn des Studiums

Auch wenn die Bedeutung der Landesforstverwaltungen als Arbeitgeber oder Dienstherr, zumindest Quantitativ, nicht mehr die gleiche ist wie vor den 1990ern, so ist doch die Forstwirtschaftliche Ausbildung doch stark davon geprägt. Begriffe aus dem Beamtenrecht begegnen an Forstwirtschaft Interessierten recht früh. Ob allen von vornherein auch die Bedeutung, vor allem für die eigene Karriere, klar ist, darf bezweifelt werden.

Forstwirtschafts oder Forstwissenschaftsstudium

Das Studium sollte man vor allem wegen seines eigenen Lernwillens und nicht wegen der Karrieremöglichkeiten wählen.

Vor den Studiengangsreformen im Zuge des Bologna Prozesses entschied man sich schon mit der Auswahl des Studienganges und der Universität für eine Beamtenlaufbahn des gehobenen- oder des höheren Dienstes. Jetzt ist das glücklicherweise ein wenig abgeschwächt. Ein Studium mit einem Masterabschluss kann trotzdem eine Verengung der Tätigkeitsmöglichkeiten mit sich bringen. Pauschal und Verkürzt ausgesagt:

Das Forstwirtschaftsstudium an einer Fachhochschule berechtigt für die Laufbahn im gehobenen Dienst und ermöglicht wesentlich mehr und besserere Einstellungsmöglichkeiten.

Das Forstwissenschaftsstudium an einer Hochschule berechtigt für die Laufbahn im höheren Dienst und ermöglicht weniger und schwieriger zu erhaltende Einstellungsmöglichkeiten.

Vorraussetzungen für den Vorbereitungsdienst

Neben den formalen und rechtlichen Vorraussetzungen ist die wichtigste Vorraussetzung für den Vorbereitungsdienst ein ausgeprägter Lernwille, hohe Frustrationstolleranz, Teamfähigkeit und leider immer noch ein Auto. Schon das Studium war ohne PKW oder die Fähigkeit sich zu Fahrgemeinschaften zu verabreden, nicht möglich. Im Referendariat wird vorausgesetzt, dass man sich frei im Bundesland bewegen kann. Zu berücksichtigen ist auch, dass viele Ausbildungsstellen jenseits der Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln liegen.

Formale Vorraussetzung für die Einstellung in den Vorbereitungsdienst sind:

  • Vorraussetzung für die Berufung in das Beamtenverhältnis
  •  Diplom- oder Masterabschlußprüfung im Studiengang Forstwissenschaft
  • Vorraussetzung zur Erlangung eines Jagdscheines oder der Jagdschein
  • das Eintritsalter muss zumeist unter 32 Jahren liegen
  • das Studium darf zumeist noch nicht mehr als vier Jahre zurückliegen

Zweck und Dauer des Vorbereitungsdienstes

Auch, wenn einige Forstverwaltungen das Referendariat in „Traineeprogramm“ nennen, ist das Forstreferendariat mehr als ein Training für den Job. 

Im Referendariat sollen, auf Grundlage des während des Studiums der Forstwissenschaften erworbenen Wissens Forstbedienstete ausgebildet werden, die  geeignet sind, die Aufgaben des höheren Forstdienstes wahrzunehmen. Dabei werden vor allem die Verantwortungs- und Führungsbereitschaft gestärkt und Grundsätze der Menschenführung vermittelt werden. Neben der umfangreichen fachlichen Ausbildung soll das Verständnis für soziale, rechtliche, wirtschaftliche, staats- und umweltpolitische sowie kulturelle Fragen gefördert werden.

Das Referendariat bietet die praktische Ausbilung in allen Gebieten der Forstwirtschaft und Forstverwaltung (der Laufbahn). Dabei werden die wissenschaftlichen Kenntnisse vertieft und erweitert. Ziel ist es den Referendar mit den Aufgaben des höheren Forstdienstes vertraut zu machen. Dafür sind vielfältige Aufgaben selbständig zu erledigen.

Der Referndar soll mit den Aufgaben des höheren Forstdienstes, der Forstverwaltung, vertraut gemacht werden. Das Referendariat dauert zwei Jahre. In den zwei Jahren sind alle Ebenen der Forstverwaltung zu durchlaufen. In der Regel sind das:

  • Forstamt (Untere Forstbehörde)
  • Service und Forschungseinrichtung der Forstverwaltung
  • Ministerium (Oberste Forstbehörde)

Inhaltlich glieder sich das Referendariat in die Ausbildungsabschnitte:

  • Standortskartierung
  • Forsteinrichtung
  • Behördentätigkeit an der Unteren Forstbehörde (Forstamt)
  • Reisezeit
  • Landespflege und Naturschutz
  • Behördentätigkeit an der Obersten Forstbehörde (Zentrale oder Ministerium)

Standortskartierung und Forsteinrichtung

Im Ausbildungsabschnitt Standortskartierung und Forsteinrichtung werden die landesspezifischen Verfahren der Forsteinrichtung, der Standorterkundung und der Waldwertschätzung detailliert geschult und praktisch geübt. Dabei werden auch methodische Grundkenntnisse der Landschaftsplanung vermittelt.

In diesem Ausbidlungsabschnitt ist selbständig ein Forsteinrichtungswerk zu erstellen. Selbstverständlich wird auch das Forsteinrichtungswerk, wie alle anderen Belege und Berichte, bewertet.

Ausbildungsabschnitt Forstamt

Der Ausbildungsabschnitt Forstamt soll einen Überblick über die Zusammenhänge aller betrieblichen und behördlichen Aufgabenbereiche eines Forstamtes vermitteln.

Im Ausbildungsabschnitt Forstamt wird der Forstreferendar in alle wesentlichen Betriebs- und Verwaltungsaufgaben eingeführt. Fragen der  wirtschaftlichen Betriebsführung und -organisation stehen dabei im Vordergrund. Insbesondere betrifft das die Bewirtschaftung des Staatswaldes, die Mitwirkung bei der Bewirtschaftung des Körperschaftswaldes und die Beratung und Betreuung von Privatwaldbesitzern sowie der Organisation und wirtschaftlichen Durchführung der Forstwirtschaftsarbeiten. Dabei sind die Verwaltungsvorschriften, das Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen, die Landespflege und der Landesplanung zu lernen und zu beachten.

Folgende Aufgaben sollten dabei ausgeführt werden:

  • selbständige Führung eines Forstrevieres für bis zu sechs Wochen
  • Wahrnehmung von Dienstgeschäften und Behördenbesuche
  • schriftliche (wissenschaftliche) Arbeit zu einem das Forstamt betreffende Thema

Ausbildungsabschnitt Reisezeit, Landespflege und Naturschutz

Der mit „Reisezeit“ titulierte Ausbildungsabschnitt ist alles andere als ein Urlaub. Die Reisezeit ist akribisch zu Planen. Der Plan wird geprüft und genehmigt, die Reisen werden überprüft und ein Reisezeitbericht ist abzugeben.

Dabei sollen die Verhältnisse anderer Forstämter und Forstwerwaltungen, der Holzindustrie und der Forstsamen- und Forstpflanzenbetriebe unterschiedlicher Wuchsgebiete studiert werden. Dem Referandar kann in der Reisezeit, für jweils zwei Wochen, auch die wissenschaftliche Betätigung und der Besuch fachfremder Behörden und Betriebe gestattet werden.

Im Ausbildungsabschnitt Landespflege und Naturschutz werden, die während des Studiums erworbenen Grundlagenkenntnisse in Raumordnung, Naturschutz, Landschaftspflege und Erholungswesen erweitert und vertieft sowie die forstlichen Belange der Landespflege und des Naturschutzes eingehend behandelt. Auch hierfür ist eine praxisbezogene Projektarbeit der Ausbildungsbehörde vorzulegen.

Ausbildungsabschnitt Oberste Forstbehörde

An der Obersten Forstbehörde werden allgemeine Verwaltungs- und Rechtsgrundlagen in Verwaltungsseminaren vermittelt und in die Aufgaben der obersten Forstbehörde eingeführt.

Während dieses Ausbildungsabschnittes beteiligt sich der Forstreferendar an allgemeinen Aussprachen und dem aktuellen Verwaltungshandeln der Obersten Forstbehörde. In diesem Ausbildungsabschnitt wird auch die Arbeit der Controllinginstanzen wie z.B. der Inspektionen der Forstverwaltung vermittelt.

Große Forstliche Staatsprüfung

Das Referendariat schließt mit der Großen Forstlichen Staatsprüfung (zweites Staatsexamen) ab. In der Großen Forstlichen Staatsprüfung ist nachzuweisen, dass man die wissenschaftlichen Erkenntnisse sowie die Rechts- und Dienstvorschriften in der praktischen Forstwirtschaft und in der Verwaltung anzuwenden versteht, sich hinreichendes Fachwissen und die erforderlichen Erfahrungen auf allen Gebieten des Forstdienstes angeeignet hat, über Urteilsfähigkeit, Beobachtungsgabe und Entschlußkraft verfügt und somit die Befähigung für die Laufbahn des höheren Forstdienstes besitzt.

Die Große Forstliche Staatsprüfung besteht aus der schriftlichen Prüfung, der mündlichen Prüfung und der Waldprüfung. Als Prüfungsleistungen gelten auch der Reisezeitbericht, die Projektarbeit und das Forsteinrichtungswerk.

Schriftliche Prüfungen

Die schriftliche Prüfung besteht aus acht vom Prüfungsausschuß bestimmten Aufgaben, die innerhalb einer Woche zu bearbeiten sind. In der Regel bedeutet das, dass man eine Woche lang, jeden Tag, insgesamt 38,5 Stunden lang zu acht Fachgebieten schreibt: Waldbau, Forsteinrichtung, Forstnutzung, Forsttechnik, Forstpolitik, Landespflege und Naturschutz, Betreibswirtschaft, Recht, Forstverwaltung, Jagd, Waldschutz, etc.

Mündliche Prüfung

In der mündlichen Prüfung wird jedes Fach für 20 Minuten geprüft.

Spätestens hier zeigt sich ob man mit seinen Referendariatskollegen ein Team gebildet hat und sich gegenseitig unterstützt und sei es nur durch einen gemeinsamen Kaffee und ein Lächeln.

Waldprüfung

Die Waldprüfung ist eine Ansammlung von mündlichen Prüfungen mit praktischem Anwendungsanteil im Wald. Die Fachgebiete

  • Waldbau
  • Forsteinrichtung und Standortkunde
  • Forstnutzung und Holzvermarktung
  • Waldarbeit, Forsttechnik und Walderschließung
  • Forstpolitik
  • Recht
  • forstliche Betriebswirtschaft und forstliches Rechnungswesen
  • Forstverwaltung und Forstorganisation
  • Waldschutz
  • Jagd und Fischerei

werden an vier bis sechs Stationen für jeweils 20 bis 30 Minuten geprüft.

Noten im Forstreferendariat

Die Benotung ist recht eindeutig in den Ausbildungsverordnungen geregelt.

In der Praxis lässt sie aber erheblichen Spielraum für subjektive Färbungen oder Förderungen. Ich habe erlebt, wie einzelnen Referendaren gesonderte Nachhilfestunden von Referatsleitern, Direktoren und Anstaltsleitern angeboten wurden. Daran ist erst einmal nichts schlechtes, stellt aber eine Diskriminierung der anderen Referendare dar.

Die Wahl des Forstamtes spielt auch keine unerhebliche Rolle. Man sollte unbedingt prüfen ob der Forstamtsleiter selbst ein Referendariat machte. Ansonsten sitzt man schnell mit den Schülerpraktikanten zusammen und lernt nicht das was man lernen sollte.

Die Benotung ist in allen Bundesländern recht streng auch wenn es immer wieder Jahrgänge mit besseren Noten gibt. In der Regle hängt der Maßstab soch hoch, dass sich freuen darf wer eine zwei hat und eine drei noch normal ist. Einige Bundesländer scheinen sich regelmäßig unterbieten zu wollen in der Bewertung der Referendare. Bayern sagt man nach, dass es nur wenige Referendare gibt, die eine bessere Note als eine drei hatten.